Freiheit und Gleichheit in der Bildungsgeschichte

Jahrestagung der Sektion Historische Bildungsforschung11.–13. September 2023Berlin

Freiheit und Gleichheit sind in der Gegenwart auf neue Weise zu leidenschaftlich umkämpften bildungspolitischen Streitobjekten und Herausforderungen geworden: Während Kritiker eine andauernde Ungleichheit im Bildungswesen aufgrund von Faktoren wie race, class und gender beklagen, wollen andere die Freiheit von Bildung und Erziehung vor staatlichen und ideologisch legitimierten Zugriffen unterschiedlicher Akteure bewahren. Freiheit und Gleichheit und ihre konflikthafte Verschränkung historisch zu untersuchen ist das Ziel der Tagung Freiheit und Gleichheit. Konflikte in der Geschichte von Bildung und Erziehung.

Hauptthema

„Freiheit“ und „Gleichheit“ haben eine lange bildungshistorische Geschichte. Sie haben sich als zentrale Kategorien etabliert, in denen und mit denen über Bildung und Erziehung reflektiert wird. Ob seit über zweihundert Jahren darüber nachgedacht wird, wie Freiheit bei dem Zwange zu kultivieren sei oder wie die Gleichheit der Erziehung alle Menschen gleich und frei machen werde – die Begriffe haben sich fest im pädagogischen Feld und als grundlegende Bestandteile pädagogischen Wissens etabliert und das Sprechen über Bildung und Erziehung geprägt. Was die Begriffe jeweils meinten und welche praktischen Folgen aus ihrem Gebrauch zu ziehen seien, war dabei stets umstritten und Gegenstand heftiger Kämpfe – sowohl in pädagogischen Fachdebatten wie auch in den Diskursen einer weiteren bildungspolitisch interessierten Öffentlichkeit, aber auch in der Praxis pädagogischer Institutionen.

Beide in der politischen Theorie komplementären Begriffe weisen durchaus unterschiedliche Karrieren in verschiedenen nationalen pädagogischen Kontexten auf: Freiheit wurde oftmals in einem ursprünglich liberalen, letztlich historisch aber eindimensionalen Sinn als Selbstbestimmung und Befreiung eines autonomen Individuums aus den Fesseln der Tradition oder im Sinne einer Autopoiesis des Subjekts gefasst und gewann in dieser Form als Leitwert für (bürgerliche) Erziehung und Bildung an Bedeutung. Gleichheit als zweites Grundprinzip politisch-rechtlicher Vergesellschaftung war demgegenüber von Anfang an umstritten und erfuhr eine ungleich skeptischere Rezeption in der Pädagogik. Fragen nach biologischer, sozialer und politischer Gleichheit wurden von Pädagogen:innen und Erzieher:innen ebenso kontrovers diskutiert wie die Folgerungen, die aus unterschiedlichen Vorstellungen von Gleichheit zu ziehen seien. Einer rein formalen (Rechts-)Gleichheit standen oftmals qualitativ differenzierende Vorstellungen gegenüber. Sowohl in bildungspolitischen Zusammenhängen wie auch in theoretischen Auseinandersetzungen zeigt sich die unterschiedliche Bewertung beider Ideen.

Programm

Montag, 11. September 2023

11:00 – 12:00 Uhr
Anmeldung, Dorotheenstraße 24, Haus 1, 5. OG
12:00 – 12:30 Uhr
Begrüßung durch die Dekanin der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät (KSBF) der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Claudia Becker, Raum 1.101
12:30 – 13:30 Uhr
Keynote I. Michael Geiss, Zürich: Pädagogische Freiheit und neue Medien: eine bildungshistorische Zwischenbilanz
13:30 – 14:00 Uhr
Pause
14:00 – 16:00 Uhr
Parallelvorträge I
16:00 – 16:30 Uhr
Pause
16:30 – 18:00 Uhr
Parallelvorträge II
18:30 – 21:00 Uhr
Rahmenprogramm

Dienstag, 12. September 2023

09:00 – 11:00 Uhr
Parallelvorträge III
11:00 – 11:30 Uhr
Pause
11:30 – 13:00 Uhr
Podiumsdiskussion: “Wissen wir nicht alles? Wie müssen wir bildungshistorisch Ungleichheit erforschen?”Leitung und Moderation: Prof. Dr. Till Kösslermit Prof Dr. Thomas Mergel (Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Ingrid Miethe (Universität Gießen), Prof. Dr. Carola Groppe (Universität der Bundeswehr, Hamburg) u.a., Raum 1.101
13:00 – 14:30 Uhr
Mittagspause
14:30 – 16:00 Uhr
Parallelvorträge IV
16:30 – 19:00 Uhr
Mitgliederversammlung
19:30 Uhr
Geselligkeit

Mittwoch, 13. September 2023

09:00 – 11:00 Uhr
Parallelvorträge V
11:00 – 11:30 Uhr
Pause
11:30 – 12:00 Uhr
Verleihung des Julius-Klinkhardt-Preises / Klinkhardt Stipendien
11:30 – 13:00 Uhr
Keynote II. Susanne Schregel, Kopenhagen: „Eine Traumuniversität, wie ich sie benennen möchte“. Notizen aus der Geschichte gegenuniversitärer Formate (1960er Jahre bis heute)
13:00 – 13:30 Uhr
Fazit und Verabschiedung

Rahmenprogramm

Eröffnung des Digital History of Education Lab der BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF

Ort
BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF| Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Warschauer Straße 34, 10243 Berlin, 1.OG
Zeit
Montag, 11.09.2023, ab 18:30 - ca. 21:00 Uhr

Die BBF lädt am Montag, 11. September 2023, ab 18:30 Uhr zur Eröffnung ihres neuen Digital History of Education Lab (DHELab) in die Warschauer Straße ein. Im Rahmen der Sektionstagung für Historische Bildungsforschung stellt die BBF dieses Lab als einen neuen Makerspace vor, mit dem der digitale Wandel in der Historischen Bildungsforschung gefördert und zugleich kritisch reflektiert werden soll, und lädt die Teilnehmenden der Sektionstagung sowie alle Interessierten herzlich zur Auftaktveranstaltung ein!

18:30 Uhr

Ankommen und Stärkung mit Getränken und Snacks

19:15 Uhr

Begrüßung durch Prof. Dr. Sabine Reh (Direktorin der BBF)

19:20 Uhr

Digital History als Public History: Eine kritische Würdigung, Keynote von Prof. em. Karin Priem (History of Education and Public History, C²DH Luxemburg)

19:50 Uhr

Geschichte im Umbruch - Forschungsdaten und ihre Folgen für die historische (Bildungs-)Forschung, Keynote von Prof. Dr. Torsten Hiltmann (Digital History, Humboldt Universität zu Berlin)

20:20 Uhr

Das DHELab vorgestellt

  • Genese und Konzept des DHELab der BBF, Lars Müller (BBF)
  • Die neuen digitalen Vermittlungsformate der BBF, Denise Löwe (BBF)
  • Potentiale von 3D-Forschungsdaten für die bildungshistorische Forschung, Dr. Linda Freyberg und Lars Müller (BBF)

Im Anschluss haben Sie die Möglichkeit, selbst Objekte mit dem 3D-Scanner zu erfassen und an einer Führung durch die BBF-Räume teilzunehmen.

Die Teilnahme an der gesamten Veranstaltung ist kostenfrei, um Anmeldung wird bis zum 31. August 2023 unter ed.fpid@ekcinieh.c gebeten. Wir freuen uns über Ihr Kommen und Ihr Interesse!

Kontakt DHELab: dhelab@dipf.de

Registrierung

Anmeldung unter: https://hi.converia.de/frontend/index.php?sub=110

Preise:

Studierenden / Assoziierte Mitglieder

40 €

Mitglieder

80 €

Nicht-Mitglieder

100 €

Anreise zum Konferenzort:

siehe Lage und Anfahrt der HU Berlin

Kontakt

Prof. Dr. Marcelo Caruso, ed.nilreb-uh@osurac.olecram